Freitag, 14. Oktober 2011

Golden Week- Yi Chang und Chengdu



In der ersten Oktoberwoche ist in ganz China Nationalfeiertag. Bedeutet, dass wir eine Woche frei hatten. Dies muss man natürlich zum Reisen nutzen. Den ursprünglichen Plan mit Macau-HongKong-Hainan Tour habe ich verworfen und hab mich mit Franzi und Serge zusammen getan und unser Ziel war Chengdu.

Wir haben einen passenden Rückflug gebucht und um nach Chengdu zu kommen war der Zug unsere Wahl.
Dies stellte sich schwerer heraus als gedacht. Wir wollten einen Zug nach Yi Chang buchen um dort den 3-Schluchten-Damm zu besichtigen und von dort aus weiter mit dem Zug nach Chengdu zu fahren.
Leider ist es in China so dass man für manche Züge nur 5 Tage im Voraus Tickets kaufen kann. Und da National Holiday war wollten alle Chinesen Zugtickets kaufen und natürlich waren unsere gewünschten Soft-Sleeper alle ausverkauft. Natürlich auch die Hard-Sleeper so dass wir nur noch Hard-Seater ( Holzklasse) bekommen haben. Aber wenigstens sind wir dem Stehplatz entgangen.
Also erster Zug 24h-Fahrt und zweiter 13h-Fahrt.


Wir uns für die erste Zugfahrt ordentlich mich Lebensmitteln und Kartenspielen eingedeckt um die 24h so erträglich wie möglich zu machen.

Es war dann auch ganz okay, nur das anfangs der Zug sehr voll war und man sich bis zur Toilette hat richtig durchkämpfen müssen. Später war es dann leerer aber da wollte man nichtmehr auf die Toilette da dort ca. 1cm hoch verschiedenste Flüssigkeiten standen. Genau wie das Waschbecken in dem nach 3 Stunden jemand sein Verdautes wieder raus gelassen hat.

Viele Bier später und ein paar Bayjoos( Reisschnaps) ging es dann an das Schlafen. Unglücklicherweise hab ich mir zur Schlafenszeit den Platz am Gang rausgesucht was sich definitiv als Fehler herausstellte, da die Chinesen von Rücksicht nehmen noch nie was gehört haben. Und so natürlich jeder der vorbeigelaufen ist natürlich gegen mein Kopf gestoßen ist.
Dadurch wurde das Ganze zu einer ziemlich langen Fahrt und ich war froh als wir Yi Chang erreicht haben.

In Yi Chang am Bahnhof natürlich erst mal durch die 100 schwarzen Taxifahrer kämpfen müssen die versuchen einen zu einem Wucherpreis zu transportieren. Als das geschafft war gingen wir in ein Touristenbüro und buchten unsere Schifffahrt zum 3-Schluchten-Staudamm.

Die Suche nach unserem Hotel wurde zu einer größeren Herausforderung als wir ursprünglich dachten. Der Taxifahrer war sich nicht 100%ig sicher wo er hinmusste und wir erst recht nicht. Als wir in der Straße ankamen in dem das Hotel sein sollte war dies eher eine düstere Gegend. Also erst mal ausgestiegen und gesucht. Aber das Hotel war definitiv nicht da.
Die Straße 1 km runter gelaufen an mysteriösen Sexshops und Räumen mit Prostituierten. Da hat man schon schwere  Befürchtungen  was einem bei dem Hotel erwartet.

Nach 20 Minuten suchen ohne Erfolg dann schließlich beim Hotel angerufen. Natürlich, wie sollte es auch anders sein Sprach die Rezeption kein Englisch. Also konnten die uns auch nicht weiterhelfen. In einem seriös wirkenden Restaurant war es mir dann zu blöd und ich habe die Rezeption nochmals angerufen und das Handy einfach der vor uns stehenden Bedienung die uns helfen wollte in die Hand gegeben. Dies führte dann glücklicherweise zum Erfolg und wir waren in 5 Minuten zum Hotel gelaufen.
Ein richtig sauberes und sehr schönes Zimmer zum kleinen Preis ein guter Trost nach dem ganzen Stress.

Am nächsten Tag ging’s dann gleich los mit dem Boot zum Staudamm. Ein schönes und luxuriöses Boot, gute Wahl. Hier gings erst mal an dem älteren und „kleineren“ Staudamm vorbei der komplett Yi Chang mit Strom versorgt. Nach einer Stunde, wunderschönen Landschaften und einer Schüssel Popcorn später waren wir dann am Three-Gorges-Damm (3-Schluchten-Damm). Nun gab es erst mal Essen an Land. Brutal wie die Chinesen das in sich rein gespachtelt haben. Teilweise haben welche sogar im stehen gegessen damit Sie schneller wieder gehen können. Krasses Erlebnis dass wirklich mal so zu sehen. Nach dem Essen wurden wir von einem Bus an die Mauer des Damms gefahren. Schon beeindruckend wie riesig das alles ist. Eine Nennleistung von 22.500 MW auf 32 Turbinen verteilt.
Eine 5 Etagen Schleuse die die 150m hohe Staumauer überwindet. Man braucht ca. 4h um mit dem Schiff durch die Schleuse zu gelangen weshalb sie nun einen Schiffskran bauen bei dem man die Schiffe praktisch über die Staumauer hebt.
Nachdem wir alles angeschaut haben ging es zurück nach Yi Chang mit dem Bus.
Hier haben wir uns an den verschiedensten Straßenhändlern durchgefressen. Die Suche nach einer Bar war leider nicht wirklich erfolgreich da weder der Lonely Planet noch das I-Phone hier irgendwelche guten Tipps geben konnten.
Also einfach ab an den Bahnhof und dort Bier gekauft um die Zeit zu vertreiben. Zum Glück hatten wir eine Kamera und den schön beleuchteten Bahnhof wo wir uns 3 Stunden Zeit um die Ohren geschlagen haben.


Nach langen 13 Stunden Zugfahrt sind wir dann am Ziel Chengdu angekommen und sind auch gleich im Hostel eingecheckt. Nun standen verschiedene Trips für die nächsten zur Auswahl. Einmal der Em Ei Shan, eine Bergregion mit einem 3300m hohen Berg mit vielen buddhistischen Tempeln zum pilgern.Die Alternative für die wir uns entschieden haben war ein 3tägiges Horse-Trekking in einem Himalaya Ausläufer.
Hierfür mussten wir am nächsten Tag in einer 8-stündigen Busfahrt in das 300km entfernte 3500m hoch gelegene Son Pan kommen. Dort angekommen mussten wir über 1h auf unsere Kontaktperson warten welche uns dann noch mitteilte dass das Guesthouse voll sei aber wir doch bei ihm zu Hause schlafen könnten.

Wir also eingewilligt und unser Zimmer bezogen. Dies war das normale Schlafzimmer welches normalerweise von der Familie bewohnt wird und für uns geräumt wurde. Heizung Fehlanzeige. Die Toilette, wenn man sie als solche bezeichnen kann, war einfach ein 2m tiefes Loch mit zwei Brettern darüber.


Am nächsten Morgen gings dann los. Ich bin noch nie davor auf einem Pferd gesessen, aber das interessiert hier niemand. Einfach drauf und gib ihm die Sporen. Die Pferde waren ziemlich voll bepackt deshalb ging es nicht allzu schnell vorwärts. Bergab mussten wir immer absteigen, da es den Pferden nicht gut tut. Und außerdem ging es rechts daneben 200m tief runter, da vertraut man lieber auf die eigenen Beine.

Die ersten Berge die wir überwunden haben waren ca. 4000m hoch. Wir ritten ungefähr 5 Stunden und haben hier von Wildpferden über Yaks und Ziegen alles Mögliche gesehen. In einem kleinen Tal mit Fluss haben wir unser Lager aufgebaut. Die 3 braungebrannten Guides haben zuerst das große "Speißezelt"( eine Plane über eine Feuerstellegespannt) aufgebaut und uns mit gezuckerten Tomaten und Fladenbrot verköstigt( nicht mal so übel).

Wir haben nach dem Essen entschieden noch einen nahegelegenen Gipfel zu erklimmen und das Panorama dort oben zu genießen.
Hier kam uns der Vorteil von der großen Zeitzone zu Gute, denn im Gegensatz zu Shanghai geht hier die Sonne um gut eine Stunde später unter. Dies war auch gut so, denn sobald man in den Schatten kam wurde es bitterkalt.

Dies war auch der Grund warum alle um halb neun schon in den Zelten lagen. Hier wurden uns Decken und Schlafsäcke gestellt. Aber dies half auch nichts. Ich hab in dieser Nacht so gefroren dass ich froh war als die 

                                                  wärmende Sonne aufging.

                                                  Wir wurden auch sehr Nett von unseren Guides geweckt: An jedes Zelt wurde geklopft und rumgeschrien "Hello, Breakfast" dies waren somit auch 2 von 10 Englisch-Vokalen die Sie beherrschten. Aber das Essen war dafür meist gut essbar und sättigend. 

Nach dem Frühstück wurden die Pferde gesattelt und los ging es zum Icy-Mountain. Diesmal ohne das ganze Gepäck, weil wir unser Lager für die nächste Nacht stehen gelassen haben und ein Guide dort blieb um alles zu bewachen. Der Ritt dauerte dann ungefähr 4 Stunden durch Täler und über Berge die wirklich beeindruckend waren. Vor allem dass die Pferde solche Steigungen mit uns auf dem Rücken schafften war 

erstaunlich. Am Icy-Mountain angekommen war herrlicher Sonnenschein und eine geniale Aussicht. Leider waren wir nicht ganz oben, denn dort Herrschte noch eine ca. 2-3 m hohe Schneedecke. So waren wir „nur“ auf 5100m anstatt auf den 5400m Höhe, aber man merkte eindeutig die dünne Luft. Das schlimme war zudem die Sonne. Die bruzelt auf 5000m natürlich auch ordentlich runter und verschaffte mir doch ein super verbranntes Gesicht was sich nach dem Trip noch schälte.

Bei dem Abstieg mussten wir wieder laufen um die Pferde zu schonen. Hierbei muss ich mir irgendwie blöd das Knie verdreht haben und 

                                                  bekam dort mörderische Schmerzen bei jedem Schritt hinab. Ich war froh wieder im Tal zu sein und auf dem Pferd zu sitzen.
Hier ging es weiter durch ein Dorf welches sich gerade einen schönen neuen Tempel. Zurück im Lager noch kurz gegessen und dann schnell ins Bett denn es wurde wieder sehr kalt sobald die Sonne weg war. Nach einer arschkalten Nacht ging es dann wieder zurück Richtung Son Pan mit herrlichen Aussichten und auch lustigen Sachen. Am Abend zuvor hatte der eine Guide uns noch eine Frau für 200RMB angeboten und als wir dann an einem Haus vorbei ritten verschwand er darin für eine halbe Stunde und ritt uns dann hinter her, man kann sich wohl  
                                                 denken was er gemacht hat ;).

In Son Pan dann eine Nacht verbracht denn die Long Distance Busse fahren nur morgens Richtung Chengdu, glücklicherweise diesmal im Guesthouse mit Heizung und gutem Bad. Natürlich hatten wir mal wieder Pech und es gab keine Tickets direkt nach Chengdu nur noch über ein kleines Städtchen davor, was zwar billiger war aber uns wieder eine Stunde Zeit und Nerven kostete.
Zurück in Chengdu wollten wir dann wieder Geld sparen und weiter mit den Bussen zu unserem Hostel fahren weil dies sehr günstig ist und der Verkehr ziemlich stauanfällig ist. Dies ging natürlich wieder mal schief da wir anstatt dem Bus 34A nur den Bus 34 genommen haben welcher einen anderen Weg fuhr. Schlussendlich sind wir dann in ein Taxi eingestiegen und haben uns direkt vor das Hostel chauffieren lassen um dem Drama ein Ende zu setzten. Busfahren in China ist nicht einfach!

Unser Abendprogramm wollten wir durch Essen und anschließendem Barbesuch 

                 gestalten. Aber wie immer kam auch hier etwas dazwischen. Da man zum Essen Geld benötigt und dieses die letzten Tage ziemlich verbraucht wurde wollten wir an einem Bankautomaten Geld abheben. Natürlich die Karte reingesteckt und Klick war sie eingezogen und es kam eine Fehlermeldung dass der Automat defekt sei und ich doch die Hotline anrufen solle. Nachdem ich dort erklärt habe dass ich die Karte sofort wieder brauche hat es ca. 3h und 100 Telefongespräche gedauert bis ich meine Kreditkarte wieder hatte und dann war der Abend auch gelaufen.
Zum Glück hatten wir uns für den nächsten Morgen für den Ausflug in die Panda Research Base angemeldet welcher dann nochmal ein kleines Highlight darstellte. Das ist die größte Panda Forschungsstation der Welt. Aber man merkt leider dass sie es auch als Tourismusattraktion aufgezogen haben, sehr zum Leid der Pandas.
Nach diesem Halbtagestrip ging es zurück ins Hostel und von dort aus direkt wieder weiter zum Flieger welcher auch den größten Kostenpunkt unserer Reise darstellte.



















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