In der ersten Oktoberwoche ist in ganz China Nationalfeiertag. Bedeutet,
dass wir eine Woche frei hatten. Dies muss man natürlich zum Reisen nutzen. Den
ursprünglichen Plan mit Macau-HongKong-Hainan Tour habe ich verworfen und hab
mich mit Franzi und Serge zusammen getan und unser Ziel war Chengdu.
Wir haben einen passenden Rückflug gebucht und um nach Chengdu zu kommen
war der Zug unsere Wahl.
Dies stellte sich schwerer heraus als gedacht. Wir wollten einen Zug nach
Yi Chang buchen um dort den 3-Schluchten-Damm zu besichtigen und von dort aus
weiter mit dem Zug nach Chengdu zu fahren.
Leider ist es in China so dass man für manche Züge nur 5 Tage im Voraus
Tickets kaufen kann. Und da National Holiday war wollten alle Chinesen
Zugtickets kaufen und natürlich waren unsere gewünschten Soft-Sleeper alle
ausverkauft. Natürlich auch die Hard-Sleeper so dass wir nur noch Hard-Seater (
Holzklasse) bekommen haben. Aber wenigstens sind wir dem Stehplatz entgangen.
Also erster Zug 24h-Fahrt und zweiter 13h-Fahrt.
Wir uns für die erste Zugfahrt ordentlich mich Lebensmitteln und
Kartenspielen eingedeckt um die 24h so erträglich wie möglich zu machen.
Es war dann auch ganz okay, nur das anfangs der Zug sehr voll war und man
sich bis zur Toilette hat richtig durchkämpfen müssen. Später war es dann
leerer aber da wollte man nichtmehr auf die Toilette da dort ca. 1cm hoch
verschiedenste Flüssigkeiten standen. Genau wie das Waschbecken in dem nach 3
Stunden jemand sein Verdautes wieder raus gelassen hat.
Viele Bier später und ein paar Bayjoos( Reisschnaps) ging es dann an das
Schlafen. Unglücklicherweise hab ich mir zur Schlafenszeit den Platz am Gang
rausgesucht was sich definitiv als Fehler herausstellte, da die Chinesen von
Rücksicht nehmen noch nie was gehört haben. Und so natürlich jeder der
vorbeigelaufen ist natürlich gegen mein Kopf gestoßen ist.
Dadurch wurde das Ganze zu einer ziemlich langen Fahrt und ich war froh als
wir Yi Chang erreicht haben.
In Yi Chang am Bahnhof natürlich erst mal durch die 100 schwarzen
Taxifahrer kämpfen müssen die versuchen einen zu einem Wucherpreis zu
transportieren. Als das geschafft war gingen wir in ein Touristenbüro und
buchten unsere Schifffahrt zum 3-Schluchten-Staudamm.
Die Suche nach unserem Hotel wurde zu einer größeren Herausforderung als
wir ursprünglich dachten. Der Taxifahrer war sich nicht 100%ig sicher wo er
hinmusste und wir erst recht nicht. Als wir in der Straße ankamen in dem das
Hotel sein sollte war dies eher eine düstere Gegend. Also erst mal ausgestiegen
und gesucht. Aber das Hotel war definitiv nicht da.
Die Straße 1 km runter gelaufen an mysteriösen Sexshops und Räumen mit
Prostituierten. Da hat man schon schwere
Befürchtungen was einem bei dem
Hotel erwartet.
Nach 20 Minuten suchen ohne Erfolg dann schließlich beim Hotel angerufen.
Natürlich, wie sollte es auch anders sein Sprach die Rezeption kein Englisch.
Also konnten die uns auch nicht weiterhelfen. In einem seriös wirkenden
Restaurant war es mir dann zu blöd und ich habe die Rezeption nochmals
angerufen und das Handy einfach der vor uns stehenden Bedienung die uns helfen
wollte in die Hand gegeben. Dies führte dann glücklicherweise zum Erfolg und
wir waren in 5 Minuten zum Hotel gelaufen.
Ein richtig sauberes und sehr schönes Zimmer zum kleinen Preis ein guter
Trost nach dem ganzen Stress.
Am nächsten Tag ging’s dann gleich los mit dem Boot zum Staudamm. Ein
schönes und luxuriöses Boot, gute Wahl. Hier gings erst mal an dem älteren und
„kleineren“ Staudamm vorbei der komplett Yi Chang mit Strom versorgt. Nach
einer Stunde, wunderschönen Landschaften und einer Schüssel Popcorn später
waren wir dann am Three-Gorges-Damm (3-Schluchten-Damm). Nun gab es erst mal
Essen an Land. Brutal wie die Chinesen das in sich rein gespachtelt haben.
Teilweise haben welche sogar im stehen gegessen damit Sie schneller wieder
gehen können. Krasses Erlebnis dass wirklich mal so zu sehen. Nach dem Essen
wurden wir von einem Bus an die Mauer des Damms gefahren. Schon beeindruckend
wie riesig das alles ist. Eine Nennleistung von 22.500 MW auf 32 Turbinen
verteilt.
Eine 5 Etagen Schleuse die die 150m hohe Staumauer überwindet. Man braucht
ca. 4h um mit dem Schiff durch die Schleuse zu gelangen weshalb sie nun einen
Schiffskran bauen bei dem man die Schiffe praktisch über die Staumauer hebt.
Nachdem wir alles angeschaut haben ging es zurück nach Yi Chang mit dem
Bus.
Hier haben wir uns an den verschiedensten Straßenhändlern durchgefressen.
Die Suche nach einer Bar war leider nicht wirklich erfolgreich da weder der
Lonely Planet noch das I-Phone hier irgendwelche guten Tipps geben konnten.
Also einfach ab an den Bahnhof und dort Bier gekauft um die Zeit zu
vertreiben. Zum Glück hatten wir eine Kamera und den schön beleuchteten Bahnhof
wo wir uns 3 Stunden Zeit um die Ohren geschlagen haben.
Nach langen 13 Stunden Zugfahrt sind wir dann am Ziel Chengdu angekommen
und sind auch gleich im Hostel eingecheckt. Nun standen verschiedene Trips für
die nächsten zur Auswahl. Einmal der Em Ei Shan, eine Bergregion mit einem
3300m hohen Berg mit vielen buddhistischen Tempeln zum pilgern.Die Alternative für die wir uns entschieden haben war ein 3tägiges
Horse-Trekking in einem Himalaya Ausläufer.
Hierfür mussten wir am nächsten Tag in einer 8-stündigen Busfahrt in das
300km entfernte 3500m hoch gelegene Son Pan kommen. Dort angekommen mussten wir
über 1h auf unsere Kontaktperson warten welche uns dann noch mitteilte dass das
Guesthouse voll sei aber wir doch bei ihm zu Hause schlafen könnten.
Wir also eingewilligt und unser Zimmer bezogen. Dies war das normale
Schlafzimmer welches normalerweise von der Familie bewohnt wird und für uns
geräumt wurde. Heizung Fehlanzeige. Die Toilette, wenn man sie als solche
bezeichnen kann, war einfach ein 2m tiefes Loch mit zwei Brettern darüber.
Am nächsten Morgen gings dann los. Ich bin noch nie davor auf einem Pferd
gesessen, aber das interessiert hier niemand.
Einfach drauf und gib ihm die Sporen. Die Pferde waren ziemlich voll bepackt
deshalb ging es nicht allzu schnell vorwärts. Bergab mussten wir immer
absteigen, da es den Pferden nicht gut tut. Und außerdem ging es rechts daneben
200m tief runter, da vertraut man lieber auf die eigenen Beine.
Die ersten Berge die wir überwunden haben
waren ca. 4000m hoch. Wir ritten ungefähr 5 Stunden und haben hier von
Wildpferden über Yaks und Ziegen alles Mögliche gesehen. In einem kleinen Tal
mit Fluss haben wir unser Lager aufgebaut. Die 3 braungebrannten Guides haben
zuerst das große "Speißezelt"( eine Plane über eine
Feuerstellegespannt) aufgebaut und uns mit gezuckerten Tomaten und Fladenbrot
verköstigt( nicht mal so übel).
Wir haben nach dem Essen
entschieden noch einen nahegelegenen Gipfel zu erklimmen und das Panorama dort
oben zu genießen.
Hier kam uns der Vorteil
von der großen Zeitzone zu Gute, denn im Gegensatz zu Shanghai geht hier die
Sonne um gut eine Stunde später unter. Dies war auch gut so, denn sobald man in
den Schatten kam wurde es bitterkalt.
Dies war auch der Grund
warum alle um halb neun schon in den Zelten lagen. Hier wurden uns Decken und
Schlafsäcke gestellt. Aber dies half auch nichts. Ich hab in dieser Nacht so
gefroren dass ich froh war als die
wärmende Sonne aufging.
Wir wurden auch sehr Nett
von unseren Guides geweckt: An jedes Zelt wurde geklopft und rumgeschrien
"Hello, Breakfast" dies waren somit auch 2 von 10 Englisch-Vokalen
die Sie beherrschten. Aber das Essen war dafür meist gut essbar und sättigend.
Nach dem Frühstück wurden
die Pferde gesattelt und los ging es zum Icy-Mountain. Diesmal ohne das ganze
Gepäck, weil wir unser Lager für die nächste Nacht stehen gelassen haben und
ein Guide dort blieb um alles zu bewachen. Der Ritt dauerte dann ungefähr 4
Stunden durch Täler und über Berge die wirklich beeindruckend waren. Vor allem
dass die Pferde solche Steigungen mit uns auf dem Rücken schafften war
erstaunlich. Am Icy-Mountain angekommen war herrlicher Sonnenschein und eine
geniale Aussicht. Leider waren wir nicht ganz oben, denn dort Herrschte noch
eine ca. 2-3 m hohe Schneedecke. So waren wir „nur“ auf 5100m anstatt auf den
5400m Höhe, aber man merkte eindeutig die dünne Luft. Das schlimme war zudem
die Sonne. Die bruzelt auf 5000m natürlich auch ordentlich runter und
verschaffte mir doch ein super verbranntes Gesicht was sich nach dem Trip noch
schälte.
Bei dem Abstieg mussten
wir wieder laufen um die Pferde zu schonen. Hierbei muss ich mir irgendwie blöd
das Knie verdreht haben und
bekam dort mörderische Schmerzen bei jedem Schritt
hinab. Ich war froh wieder im Tal zu sein und auf dem Pferd zu sitzen.
Hier ging es weiter durch
ein Dorf welches sich gerade einen schönen neuen Tempel. Zurück im Lager noch
kurz gegessen und dann schnell ins Bett denn es wurde wieder sehr kalt sobald
die Sonne weg war. Nach einer arschkalten Nacht ging es dann wieder zurück
Richtung Son Pan mit herrlichen Aussichten und auch lustigen Sachen. Am Abend
zuvor hatte der eine Guide uns noch eine Frau für 200RMB angeboten und als wir
dann an einem Haus vorbei ritten verschwand er darin für eine halbe Stunde und
ritt uns dann hinter her, man kann sich wohl
denken was er gemacht hat ;).
In Son Pan dann eine
Nacht verbracht denn die Long Distance Busse fahren nur morgens Richtung
Chengdu, glücklicherweise diesmal im Guesthouse mit Heizung und gutem Bad.
Natürlich hatten wir mal wieder Pech und es gab keine Tickets direkt nach
Chengdu nur noch über ein kleines Städtchen davor, was zwar billiger war aber
uns wieder eine Stunde Zeit und Nerven kostete.
Zurück in Chengdu wollten
wir dann wieder Geld sparen und weiter mit den Bussen zu unserem Hostel fahren
weil dies sehr günstig ist und der Verkehr ziemlich stauanfällig ist. Dies ging
natürlich wieder mal schief da wir anstatt dem Bus 34A nur den Bus 34 genommen
haben welcher einen anderen Weg fuhr. Schlussendlich sind wir dann in ein Taxi
eingestiegen und haben uns direkt vor das Hostel chauffieren lassen um dem
Drama ein Ende zu setzten. Busfahren in
China ist nicht einfach!
Unser Abendprogramm
wollten wir durch Essen und anschließendem Barbesuch
gestalten. Aber wie immer
kam auch hier etwas dazwischen. Da man zum Essen Geld benötigt und dieses die
letzten Tage ziemlich verbraucht wurde wollten wir an einem Bankautomaten Geld
abheben. Natürlich die Karte reingesteckt und Klick war sie eingezogen und es
kam eine Fehlermeldung dass der Automat defekt sei und ich doch die Hotline
anrufen solle. Nachdem ich dort erklärt habe dass ich die Karte sofort wieder
brauche hat es ca. 3h und 100 Telefongespräche gedauert bis ich meine
Kreditkarte wieder hatte und dann war der Abend auch gelaufen.
Zum Glück hatten wir uns
für den nächsten Morgen für den Ausflug in die Panda Research Base angemeldet
welcher dann nochmal ein kleines Highlight darstellte. Das ist die größte Panda
Forschungsstation der Welt. Aber man merkt leider dass sie es auch als Tourismusattraktion
aufgezogen haben, sehr zum Leid der Pandas.
Nach diesem Halbtagestrip
ging es zurück ins Hostel und von dort aus direkt wieder weiter zum Flieger
welcher auch den größten Kostenpunkt unserer Reise darstellte.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen